Fra Bayern til Oslo

Mein ERASMUS-Auslandsjahr in Norwegen
 

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Tromsø - Raus aus Oslo!

Ich grüße Euch!

 
Ist es zu glauben, daß einen das Studentenleben völlig in einer fremden Stadt (also nicht wie daheim) dazu bringt, daß diese wie ein unsichtbares Gefängnis wird, das man unbewusst kein einziges Mal verlässt? Geht das den Studenten in München, die nicht in der Nähe daheim wohnen, genauso?
So ist es nun nach fast drei Monaten tatsächlich das erste Mal gewesen, daß ich Oslo selbst verlassen habe und neben meiner Umgebung (natürlich samt Natur) und diverser Stadtteile tatsächlich auch einmal etwas anderes von Norwegen erblickt habe!

Dazu muß ich sagen, daß von letztem Mittwoch bis gestern zum zweiten und letzten Mal (Hinweis I) Bettina dagewesen ist.
Am Donnerstag haben wir den Oslo-Reiseplaner berücksichtigt und haben einen kleinen Tagesausflug nach Drøbak, einem kleinen Städtchen (wie man ein 11.000EW-Dorf in Norwegen schon nennen muß weiter südlich an der engsten Stelle des Oslofjords, unternommen. Geschichtlich bekannt ist der Ort, weil hier beim deutschen Angriff auf Norwegen im April 1940 mehr durch viele "glückliche" (je nach Betrachtungsweise) Zufälle der deutsche Schwere Kreuzer Blücher von völlig veralteten Kanonen deutscher Produktion aus der Festung versenkt worden ist, wodurch der Flucht der Königsfamilie und des Parlaments ermöglicht wurde.
Ein wenig haben wir daran gedacht, als wir an einer Felsklippe die Ruhe und die Beschaulichkeit dieses Örtchens genießen konnten und dem Vorbeifahren eines schweren Ozeandampfers zuschauen konnten. An den Kreuzer erinnert der geborgene Dampfer, welcher neben der Statue des ruhmreichen Festungsoffiziers steht...
Leider waren wir zu spät dran, um noch auf die Festungsinsel fahren zu können. Dafür haben wir die Poststation des Weihnachtsmannes gesehen, samt ihm selbst! Er sah aus wie Dumbledore! ^^
Jedenfalls war es sehr schön, auch mal etwas anderes als immer nur Oslo zu sehen und in etwas beschaulicheres Umfeld zu kommen.


Der eigentliche Höhepunkt war aber der Ausflug mit ein paar Freundinnen und Bettina von Freitag bis Montag nach Tromsø, einer 450.000 EW-Stadt nördlich des Polarkreises. Kaum zu glauben, daß uns der Flug ca. doppelt so weit von Zuhause weggebracht hat!
Dieses Städtchen ist dann auch eher so, wie sich der klischeebasierte Mitteleuropäer den "hohen Norden" vorstellt. In der Natur meterhoher Schnee, -5°C und ein Tag, bei dem es um 15 Uhr dunkel wird. Also quasi Nacht, sobald man aus dem ersten Museum wieder herausgekommen ist. Ich bin ja sehr im Zweifel, ob ich in Deutschland den ganzen Winter über (Hinweis II) jemals so viel Schnee sehen werde, wie an diesem Wochenende...

Was haben wir so gemacht? Kriegsmarinefriedhof II hat im Winterhalbjahr leider auch geschlossen; nahe der Stadt wurde auch das größte deutsche Schlachtschiff überhaupt, die Tirpitz, versenkt.
Am Freitag haben wir uns nach der Ankunft vor allem am erwarteten Winterwetter erfreut und sind mit der Seilbahn auf eine Aussichtsplattform über der Stadt gefahren, wo es dann um 15.00 Uhr auch wie erwartet wieder dunkel geworden ist. Aber der Blick auf die Stadt und die schneebedeckten Hügel auf der anderen Seite waren wieder einmal atemberaubend und einer der viele Gründe, warum ich es dort schöner als in Oslo finde.
Abends waren wir dann bei Peppes Pizza, dem norwegischen Äquivalent zu Pizza Hut. Da habe ich mich auch ein wenig erkältet gefühlt, weswegen wir danach schnell ins Bett sind...

Am Samstag waren wir im Polaria, einem Dokumentationsort polarer Lebewesen, von Bakterien bishin zu Seelöwen, die dort auch in einem Becken herumgeschwommen sind und denen wir bei der Fütterung zusehen konnten! Es hat zwar überall nach Fisch gerochen, aber dafür konnte man Tiere sehen, die es daheim wohl nur selten zu erblicken gibt. Und ich hatte auch das Gefühl, daß es den Tieren dort sehr gut geht. Naturromantik hin oder her - die meisten Tiere würden eine regelmäßige Fütterung und wenig Angst vor Freßfeinden wohl der "natürlichen Ordnung" vorziehen. Solange die artgerechte Haltung natürlich gewährleistet ist...
Am "Abend", also tiefster Nacht um halb 5, ging es dann los zum Höhepunkt des Ausfluges: Zu viert (also meine Freundin, ich und zwei weitere) haben wir uns den Luxus gegönnt, für 200€ pro Person ein einmaliges Erlebnis zu haben, das man daheim wohl niemals machen könnte: Nach mehr als einer Stunde Fahrt waren wir im Wald, recht nahe der finnischen Grenze und wurden dort von sehr lautem Hundegebell begrüßt: Wir wollten eine Hundeschlittentour machen! Je zwei Personen bekamen einen Schlitten zugeteilt, der von fünf Hunden (nicht gerade Edelrassenhuskys, dafür müssen sich die Betreiber um Nachwuchs aber offenbar auch keine Sorgen machen) gezogen wird. Einer (in dem Fall meine Freundin) sitzt drin, einer steht hinten und lenkt den Schlitten.
Allerdings war das nicht ganz so schwer, wie man es sich vielleicht vorstellen mag. Mit einer größeren Gruppe sind wir eine feste Strecke (mehrere Kilometer) bergauf, bergab, durch meterdicken Schnee und über Flüsse, abgefahren. Selbst musste man eigentlich kaum mehr tun, als durch Bremsen die Hunde davon abhalten, weiterzulaufen. Was sie von sich aus durchgehend gemacht hätten und Standpausen durch lautes Jaulen und Heulen ihre Missbilligung ausgesprochen haben...
Es ist schwer zu beschreiben, was für ein Erlebnis diese Fahrt in der Winternacht und umgeben von Wald und freien Ebenen nun gewesen ist. Am Ende winkte dann die Belohnung in Form einer heißen Rentiersuppe und... Nordlichtern am Himmel, ein Phänomen, das es wie die Mitternachtssonne nur in den Nordregionen gibt! Leider sind sie im November noch nicht sonderlich stark, aber doch immerhin sichtbar! Völlig übermüdet gings dann wieder heim...

Am Sonntag waren wir noch im Universitätsmuseum, wo es gleich mehrere Ausstellungen, über Darwin, Küchenschaben, Mineralschichten, russische Kriegsgefangene, vor allem aber über die Sami gegeben hat. Man darf nicht vergessen, daß in den Polarregionen nationsübergreifend die eigene Ethnie der Sami lebt, die sich zumindest traditionell von Rentierzucht und Jagd ernähren und in Zelten leben. Quasi die "Ureinwohner" des Nordens.
Dann sind wir über die lange und windige Brücke, welche die Stadtteile trennt, zu der berühmten Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen) gelangt. Die hat dann jeden 30NOK gekostet, was im Nachhinein eine ziemliche Unverschämtheit gewesen ist, dafür, daß man mit 10Sek Umschauen eigentlich schon alles gesehen hat. Aber zumindest von außen schaut sie beeindruckend aus!

Am Abend gabs dann noch etwas Bier im gemütlichen Hotel samt Kartenspielen - wir werden langsam echt norwegisch!

Am Montag ging dann auch schon wieder der Flug. Eigentlich wollten wir noch ins Polarmuseum, was dann aber zeitlich doch nichts mehr geworden ist. Stattdessen bin ich mit Bettina mittags noch in die Ølhallen, Tromsøs ältestes Pub und der nördlichsten Brauerei der Welt (!), der Mack-Brauerei, angeschlossen. Da habe ich mich noch an leckeren Biersorten versucht. Und ich kann bestätigen: Wer dort nicht gewesen ist, hat Tromsø nicht gesehen! ;-)

Dann ging der Flug mehr als tausend km wieder zurück.

Ich glaube, das ist wieder so eine Sache, bei der Fotos wohl mehr sagen können als viele Worte. Jedenfalls werde ich bei FB bald ein paar Fotos hineinstellen, die das kleine Städtchen umrundet von sehr hohen, schneebedeckten Felsen und aufgeteilt von der eisigen See, zeigen. Und auch Drøbak und was wir sonst noch so gemacht haben. FB ist wohl doch wichtiger, als ich zunächst gedacht hatte. Es ist fast so etwas wie mein Hauptkommunikationsinstrument geworden...

Gestern ist dann auch Bettina wieder heimgeflogen. Nun verbringe ich hier die letzten Wochen und darf dann am Ende auch noch zwei Klausuren schreiben, obwohl die mir für mein eigentliches Studium nichts bringen.

Und nun würde ich eigentlich zum zweiten Teil des Eintrags kommen. Aber da es schon spät ist, niemand 40min hier lesen will und ich nun hungrig auf First Price tunfisk i vann (Dosenthunfisch, mein Standartabendessen) bin, werde ich das auf einen anderen Tag verschieben.

Übrigens schneit es hier seit gestern auch - da habt Ihr endlich Euer Klischeebild von Norwegen! ;-)

Bis bald!
Adrian



1 Kommentar 10.11.10 22:58, kommentieren

Aus der Vergessenheit

Hm, bei einer genügend langen Zeit der Inaktivität traut man sich ja irgendwann garnicht mehr, sich überhaupt noch zurückzumelden, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Auf der anderen Seite: Ich habe heute den ganzen Tag an produktiven Dingen eigentlich REIN NICHTS zustandegebracht und bin stattdessen seit 9 Uhr einfach nur herumgesessen. Vor dem Internet mit einer ähnlichen Zeiteffektivität wie eh und je... :/ Ob diese Reminiszenz (ich musste das Wort nachschlagen, hättet ihr es schreiben können) am absolut gräußlichen Wetter lag?

Aber  um wenigstens etwas Sinnvolles diesen Tag getan zu haben, gibts jetzt auch nach langem wieder einen Eintrag! In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Erweiterung meiner FB-Gallerie hinweisen. Bilder sagen ja bekanntlich manchmal mehr als viele Worte...

Tja, was ist denn eigentlich seit letztem Eintrag alles passiert? Ich habe drei Leute von daheim gesehen, erst Pia, dann Bettina und nun war bis gestern auch noch meine Mutter da. Nach diversen Führungen kann ich nun definitiv sagen, Teile von Oslo fast wie meine Westentasche zu kennen! Und ich habe dabei immer sehr viele schöne Zeiten verbracht. Und ich hoffe auch, daß die Leute einen guten Eindruck dieser Stadt und dieses Landes gewonnen haben. Pia und Bettina lernen ja immerhin auch Norwegisch! Und Pia möchte sogar selbst hier meine Nachfolgerin werden, wenn ich das richtig verstanden habe. Willkommen im Brunost-Land! ^^

Aber vielleicht sollte ich garkeine Aufzählung all der vergangenen Eregnisse liefern (zur Not gibts dafür ja auch mein FB-Profil --> Vernetzung im tollen Web 2.0 o_O) und stattdessen einige Eindrücke nach etwas längerer Zeit in Oslo verkünden?

Nun, so ein "normaler" Alltag ist ja recht leicht zu beschreiben. Ich mach recht viel Sport. Nachdem ich durch Mama Oslo für vier Tage wie ein Tourist erleben und erstmals auch essen gehen konnte, sollte ich davon wieder mehr machen. Man lässt sich die Chance auf Jack Daniels-Burger und Enchiladas eben einfach nicht entgehen!
Ich geh zur Uni. Eine der Klausuren werde ich nun doch nicht schreiben, bleibt also nur "Norwegian Life and Society" sowie der Norwegischkurs. Und auch das ist eigentlich schon sehr pflichtbewusst, nachdem ich laut Aussage der LMU eigentlich als Magisterstudent überhaupt keine Klausur schreiben müsste! o_O
Ich lese offenbar viel mehr heimische Nachrichtenseiten und Diskussionen über die Politik daheim als je zuvor. Ist das nun paradox? Aber gerade aus der Ferne mit ein bisschen Abstand kann man oftmals eine Sichtweise auf die Dinge erlangen, die man so daheim wohl nicht hätte. Und vielleicht ist es ja auch ein Zeichen der Anschlusses und vielleicht sogar der Sehnsucht nach zuhause?

Jedenfalls bin ich doch sehr erfreut darüber, am 14. Dezember bereits wieder im Flieger nach Hause zu sitzen und mit einigen von Euch noch Teile der Vor- und Nachweihnachtszeit zu erleben. Gerade jetzt, wo das Semester daheim angefangen hat, beginnt man noch mehr, sich über das Zuhause Gedanken zu machen. Was man wohl alles für Dinge verpasst? Ich freue mich auf Euch alle auf jeden Fall! Und ich glaube, daß das noch stärker wird, je näher die Heimreise rückt. Norwegen ist und bleibt ein sehr schönes Land, aber die Heimat ist es dann eben doch nicht.

Bis dahin werde ich aber noch die Gelegenheit haben, erstmals seit meiner Ankunft in Oslo vor mehr als 2 Monaten (!? Ist es schon so lange her?) auch einmal mehr als nur diese Stadt zu sehen. Nächste Woche kommt Bettina und wir fliegen nach Tromsø über den Polarkreis zur Schlittenhundefahrt!
Und kurz vor meiner Abreise nach Deutschland werde ich mit ein paar Kommilitoninnen ebenfalls noch zwei weitere Flecken Skandinaviens kennenlernen: Bergen und Göteborg (Schweden). Leider muß ich mich gerade heute noch um die Abreise kümmern, da irgendwas mit der Überweisung nicht geklappt hat.

Habe ich schon einmal auf den Sportfanatismus der Norweger hingewiesen? Es gibt echt einige Gründe, warum viele Norweger einfach viel schlanker sind und viel besser aussehen, als die Deutschen. Und das liegt vielleicht auch daran, daß sie viel weniger Berührungsängste mit der Natur haben, als wir.

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Vergleicht man den durchschnittlichen Deutschen mit dem durchschnittlichen Norweger (und natürlich die Norwegerinnen!!), so tun sich echt wahnsinnige Unterschiede auf.

 Das  Härteste, was ich gesehen habe, war so ein Volleyballverein von 10jährigen. Wir reden hier von Anfang Oktober, wo es Abends kaum mehr als 5-10°C hat. Einer der Jungen pfeffert den Ball in den See, woraufhin ein anderer in seiner vollen Sportmontur einfach in den See rennt, den Ball in die Hand nimmt und den anderen was zuruft. Daraufhin rennen ihm die nächsten 3 in den See hinterher. Irgendwann kommt dann der Sportleiter hinterher und sagt denen, daß sie doch bitteschön wieder rauskommen sollen. Dann spielen sie in ihren kalten, nassen Schuhen weiter. Am Abend. 

Ansonsten kann es durchaus auch einmal vorkommen, daß bei einem Laufmarathon um den Sognsvann ganze Völkerscharen von 10 bis 70 mitrennen, wobei dann die Jüngsten und Ältesten durchaus auch mal im Mittelfeld sind. Und gejoggt wird sowieso bei jedem Wetter und zu jeder Jahres- und Tageszeit.

 

Vieles fällt da wohl zusammen. Und ja, die Norwegerinnen sind echt fast durch die Reihe geeignet, auf ein H&M-Plakat zu kommen. Und ziehen sich auch alle entsprechend an mit sehr modischen Klamotten, häufig noch heller gefärbten Haaren und mit dem immergleichen Perlohrstecker im Ohrläppchen. Ich muß zugeben, daß ich ihn langsam nicht mehr sehen kann!

Auf der anderen Seite muß man aber auch sagen, daß es irgendwann einmal langweilig wird. Fast jede Norwegerin allein würde überall auffallen, aber wenn man ständig überall den selben Typ sieht, der in Deutschland wohl unter die Marke "BWL-Studentin" fallen würde, dann entfaltet das irgendwann keine besondere Wirkung mehr. Ich bin und bleibe also meiner Freundin aufs Engste verbunden! ^^

Dennoch muß man den Norwegern natürlich sehr zugute halten, daß sie das beste aus sich machen.

 

Norwegen ist allgemein ein Land, das man für vieles beneiden kann. Sei es die Natur, das Sozialsystem, den unbeschwerteren Umgang mit eigenen Nationalsymbolen, das Engagement für ökologische Nachhaltigkeit...aber eben auch für die eklatant hohen Preise. Ich finde, Norwegen ist sowas wie der Mac unter den Ländern. Alles ist sehr teuer und wenig kompatibel zum Rest der Welt, weil es einfach anders funktioniert...dafür ist es aber auch sehr praktikabel, sieht gut aus und funktioniert vergleichsweise reibungslos. Natürlich hat dieses Land auch Probleme, aber im Vergleich zu Deutschland auf relativ hohem Niveau.
Auf der anderen Seite fehlt mir natürlich jener Zugang zur Tiefe des Landes, wie ihn wohl nur ein Norweger selbst haben kann. Und man kann Deutschland und Norwegen wohl teilweise auch nur schwer miteinander vergleichen. Ich würde sagen, Deutschland hat mehr Ecken und Kanten und die Gesellschaft ist leider nicht ansatzweise so "bodenständig", wie es die norwegische ist. Aber irgendwie...haben die Höhen und Tiefen unseres eigenen Landes aber auch etwas reizendes, was ein 5,5 Millionen-Einwohnerland in Nordeuropa so sicher nicht haben kann.

 

Ich kann also Leute, die nach Norwegen auswandern wollen, durchaus verstehen. Meine Sache wäre es aber nicht, obwohl das Land so schön ist.


Und ich freue mich drauf, wenn ich von diesem Land einmal mehr als nur Oslo kennenlernen darf!

 

Wie gesagt, ich bitte nochmals um viel Entschuldigung für die sehr lange Wartezeit...

 

Bis bald,

Adrian

 

 

 

 

1 Kommentar 27.10.10 21:11, kommentieren

Was, so lange soll mein letzter Eintrag schon her sein? o_O

Ach, da passiert wohl einfach zu viel. Und ja, tatsächlich denke ich auch nicht jeden Abend unbedingt daran, in meinen Blog zu schreiben. Momentan verbringe ich einige Abende sogar damit, mich mit Soziologiebüchern von daheim zu beschäftigen. Ich möchte die Zeit ja auch nutzen, um einige größere Werke von daheim (Nipperdey, Luhmann und anderes akademisches Zeugs) zu lesen...

Und Lesen wird bei der steigenden Kälte drin wohl auch immer angenehmer. Nachts hat man nunmehr das subjektive Gefühl, nicht mehr viel mehr als vllt. 5°C zu haben. Gerade, wenn der Himmel klar ist. Der Herbst hat eben nun Einzug gehalten, und ich muß sagen, daß mir dieses kühle, aber manchmal doch sonnige Wetter sehr gut gefällt.

Von Samstag bis heute hatte ich auch den ersten Besuch von der Pia, einer sehr netten und lieben Kommilitonin aus München, die hier in einem Jahr auch mal studieren möchte und sich daher die Stadt schonmal anschauen wollte. Vielleicht konnte ich ihr dabei auch ein paar Eindrücke vermitteln! ^^ Mir haben die Tage sehr gefallen.
Wir haben eine Stadtführung mitgemacht, waren in der Hafenfestung...und nicht zuletzt beim Waffelessen! Eine Bekannte hat so ca. 15 Leute in eine dieser engen Küchen eingeladen, um ein gemeinsames Gelage zu veranstalten. Bis auf eine Schweizerin waren übrigens alle aus Deutschland und die Hälfte davon Medizinstudentinnen... Auch sonst ergibt es sich bei der gewaltigen Anzahl an Deutschen hier irgendwie, daß man doch relativ häufig wieder in einer "homogenen" Gruppe ist. Das ist zwar etwas bequem, aber auf der anderen Seite kommt man halt irgendwie doch zusammen. Und daß es hier echt viele davon gibt, habe ich ja schon geschrieben.

Und morgen kommt Bettina für eine Woche zu Besuch, worüber ich nun natürlich ganz besonders freue! ^^ Ist schon schön, seine Freundin wieder bei sich zu wissen, für eine kurze Zeit.

Nach dieser kurzen Zeit ist dann auch hoffentlich der gewaltige Fluss an Wiesnbildern endlich zum Versiegen gekommen. Natürlich gönne ich jedem den Spaß, aber momentan vermisse ich wenig mehr, als mich einen Tag in München aufhalten zu können.
Aber Pia hat mir als ein besonderes Souvenir auch drei verschiedene Wiesnbiere (Augustiner, Löwenbräu und Paulaner) mitgebracht. Am Abend, bevor meine Freundin kommt, werde ich nun daher noch eines dieser Biere probieren und mich dabei ein wenig in die ferne Heimat tragen lassen...

Herbstlich-kühle Grüße,
Adrian

28.9.10 22:52, kommentieren

 Immerhin durchschnittlich drei Besucher am Tag und 136 insgesamt - bei der Statistik möchte ich doch das Interesse an der Seite nicht zum Erliegen bringen und die Leser mal wieder mit einem neuen Eintrag erfreuen! Es ist nur nicht so, daß mir jeden Abend um 11 noch der Nerv danach ist, einen Eintrag über alle Details des Alltags ("Wow! Diese Woche gabs Erdbeerjoghurt im Sonderangebot!") zu schreiben...dafür brauchts auch immer eine besondere Stimmung!

Nun, da die Woche beendet ist, ist mir auch einmal wieder danach, sie hier etwas Revue passieren zu lassen. Naja, die Uni hat sich halt eingependelt und man besucht seine Vorlesungen. Es ist nur wirklich etwas gewöhnungsbedürftig, nur 10 SWS (davon 6 Sprachkurs) zu haben...plus die Vorlesung über Runen, die ich ja nur freiwillig besuche. Noch zwei Details, die norwegische Unis von deutschen unterscheidet:
1) Anstatt dem ct/st-System fangen Vorlesungen bspw. um Viertel nach 12 an und haben dann um 13 Uhr exakt 15min Pause, die dann auch durchgezogen werden. Um Viertel nach 1 gehts dann bis um 2 Uhr weiter. Ist das nun ein Vor- oder Nachteil? Ich glaube, damit wird einem das Mitkommen schon einfacher gemacht. Es wäre wohl ein Nachteil, wenn man oft Veranstaltungen hintereinander an verschiedenen Orten hat - aber bei einem Pensum von 8-12 SWS kommt das wohl nicht allzu häufig vor. Außerdem ist die UiO (Universitetet i Oslo) größtenteils ne Campusuni...
2) Das bei uns übliche Aufdentischklopfen nach ner Veranstaltung (kommt laut Wikipedia aus der Verbindungstradition ^^) fällt ebenfalls aus zugunsten von Klatschen - weswegen man sich immer ein wenig wie nach einem Klavierkonzert fühlt. Was zumindest einer der bisherigen Dozenten nicht wirklich verdient. Man kann die Situation stellenweise aber auch wirklich verwechseln, wenn zB in der Norwegien Life and Society-Vorlesung um einen herum fast nur Deutsche sitzen...

Tja, ansonsten...hab ich die Woche echt viel Sport gemacht! Hier gibts auch eine Art "Zentralen Hochschulsport", wo die Semesterkarte zwar 80€ kostet, aber dafür die Liegenschaften auch dem "Studentenwerk" selbst gehören. Das heißt, man kann immer rein und muß es sich nicht mit allen möglichen Vereinen teilen. Es gibt auch mehrere Orte, der nächste von mir (10min zu Fuß ist auch gleich der größte (Domus Athletica). Es ist echt sehr toll, nach dem Fitneß und Laufen erst ein paar Bahnen Schwimmen zu können und dann noch in die Sauna zu gehen! :D
Ich gebe ja zu, daheim in letzter Zeit das alles ein wenig vernachlässigt zu haben. Aber hier möchte ich die Zeit doch sinnvoller nutzen! Und zuviel Feiern während der Woche fällt ohnehin aus.

Deswegen hab ichs mir heute Abend aber auch mal wieder verdient. Gleich gehts ins Uglebo, also die fakultätseigene Studentenkneipe! ^^
Was ich sonst noch am Wochenende mache...ein anderer Vorteil des Lebens hier ist, daß man so wenig Verpflichtungen hat. Man kann immer spontan sein!

Achja, am Mittwoch habe ich mit drei Kommilitoninnen zusammen unseren Flug nach Tromsø gebucht! :D Im November werden wir da ein verlängertes Wochenende verbringen und hoffentlich neben Nordlichtern (über dem Polarkreis!) auch eine Schlittenhundefahrt und viel tolle Natur erleben! Und das Schönste ist natürlich, daß meine Freundin auch mitkommt! ^^

Um damit am Ende auch ein immer wieder gehörtes Vorurteil zu widerlegen: Ja, ich bin hier im "Norden". Aber nein, hier ist noch kein Winter! Eigentlich ist das Wetter hier in Oslo genauso kontinental wie in Deutschland und ich sehe keine großartigen Unterschiede zu daheim. Allerdings darf man die enorme Ausdehnung von Norwegen über den Polarkreis hinaus nicht vergessen: Die Entfernung von Oslo nach Tromsø ist größer als von Oslo nach München! Noch unglaublicher: Die Entfernung vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Norwegens ist größer als die Entfernung von Oslo nach Rom! Nur mal zum Nachdenken...

Tja, wie gesagt, nach einer langen und sportreichen Woche werde ich mich jetzt dem Feierabend widmen! :D
Übrigens eine kleine Einschränkung zum Bier: Es ist tatsächlich möglich, Bier etwas billiger zu bekommen: Eine Flasche Ringnes 0,33l kostet 9,90NOK, womit ein Liter 30NOK, also ca. 3,80€ kostet. Das wären 1,90€ für ne Halbe bei uns und damit irgendwo zwischen Tankstelle und Studentenparty. Naja, immerhin.
Übrigens paradox: Kauft man nun größere Behältnisse (bis zur trendigen 1,25l-Plastikflasche), bleibt der Literpreis nicht etwa gleich oder wird sogar geringer, sondern höher! Es ist also billiger, 3l in 0,33l-Flaschen, als in 0,5l-Dosen zu kaufen. Paradox!? Ist wohl das norwegische Steuersystem.

Wie könnte ein Beitrag am Freitag Abend besser enden?
Daher:
God helg og Skål!
(Schönes Wochenende und Prost!)

Adrian

10.9.10 18:25, kommentieren

Vielleicht sollte ich mal etwas öfter und dafür etwas weniger schreiben? ;D

Heute war ich beim Ikea. Nicht nur, daß ich mir die Nachttischlampe kaufen wollte (leider passt die Glühbirne nicht, ich muß also nochmal hin), sondern auch endlich eigene Vorhänge (ich hatte nur ein kleines, vergammeltes Ding aus dem "Raum der Wünsche" nebenan)...und meine Eltern haben mir zugesagt, daß ich mir auch ein eigenes Set von Teller, Tassen und Besteck kaufen darf! :D Dazu gabs dann noch Töpfe, ein Bilderrahmen für ein Foto mit meiner Liebsten und eine eigene Bettgarnitur! Die erinnert mich doch sehr an jene aus meiner Wohnung.

Und heute ist auch endlich mein Paket gekommen! Meine Eltern sollten mir ein paar notwendige Bücher zuschicken, waren aber so nett, mir dazu nicht nur einige kleinere Medikamente wie Aspirin, sondern auch Unmengen an Tütensuppen und -nudeln dazuzugeben...nebst einem Geschenk! Und Kopfhörer habe ich jetzt auch wieder!

Nachdem das nun alles angebracht ist und mein Putzdienst beendet wurde, sieht nicht nur mein Regal viel besser aus, ich fühle mich auch gleich etwas wohliger!

Ach, und zum Glück habe ich morgen erst um 12 Uni. Ich kann also etwas ausschlafen...

Zum Schluß: Einen guten Start in den September. Der Monat des Herbstanfangs...in 30 Tagen werden unsere Länder wie verwandelt aussehen. Hoffen wir auf einen goldenen Herbst, eine nebelige, geisterhafte Zeit zwischen Oktober und November und dann einen verschneiten Winter!

Gute Nacht Euch! ^^

1 Kommentar 1.9.10 23:37, kommentieren

Hei!

Einen schönen Gruß vom kühlen, aber ausnahmsweise mal sonnigen Oslo hin ins Land der Sarrazindebatte! Das Thema geistert ja quer durch alle Portale und konfrontiert einen unweigerlich auch in Norwegen in Zeiten der globalen Medien- und Kommunikationsgesellschaft.

Hier bin ich mittlerweile in die zweite Woche des Studiums gekommen und möchte anlässlich dessen auch gleich mal eine kleine Fortsetzung der Reihe "Kostenirrsinn in Norwegen" anbieten (zur Erinnerung: 100 NOK = 13&euro:

Kurs I: Norwegisch, 2 Bücher (Text- und Arbeitsbuch): 755 NOK
Kurs II: Norwegian Language Community (Buch, 180S + 3 dünne Reader): 680NOK
Kurs III: Norwegian Life and Society (Buch, etwas mehr Seiten): 350 NOK
Kurs IV: Runology (Buch): 161 NOK

Bei letzterem hatte ich mir überlegt, evtl. aus Interesse auch noch die Klausur mitzuschreiben. Nachdem die beiden Reader zusammen aber nochmal so 850 NOK gekostet hätten, habe ich es dann doch gelassen.

Tja, ansonsten muß ich aber sagen, daß es mir hier sehr gut gefällt! Am Freitag waren wir wieder bei der Coffe Hour und danach im Uglebo, dem Pub der Fakultät. Wer bei FB ist, sieht mich ja auf ein paar Verlinkungen!
Am Samstag gabs erst eine Bustour durch Oslo und...zum Wikingermuseum! Da kann man insgesamt drei Schiffe aus dem 9. Jahrhundert betrachten. Davon waren zwei im Lehm konserviert und daher so gut erhalten, daß sie noch exakt so detailliert sind wie möglicherweise ein Bauernschrank aus dem letzten Jahrhundert! Leider hatten wir da aber nur sehr wenig Zeit, weswegen ich da später mit meiner Freundin unbedingt nochmal hinmöchte!

Abends gabs dann erst ein Vorspiel in meiner Küche, daraufhin gings los zur großen "Metalpubtour"...wo zum RockIn dann noch das Unholy dazugekommen ist. Ich muß aber klar sagen: So nett die Schuppen sein mögen, aber die ständige Sehnsucht gerade deutscher (B)M'ler nach Norwegen ist echt unbegründet. Außer auf Anfrage wird kaum was anderes als HardRock und vllt noch Heavy Metal gespielt, was man dann bei Bierpreisen um 7€ genießen darf. Sicherlich ist es dennoch sehr nett mal für einen Abend, aber...es gibt wohl viele Faktoren, warum man hier nicht soviel weggehen und ausgeben kann, wie daheim!

Tja, ansonsten...habe ich mich nun durch meinen 66S-Reader zum Thema "Entwicklung der beiden Sprachen in Norwegen" durchgekämpft...zur Erinnerung: In Norwegen gibt es zwei offizielle Varianten des Norwegisch: Bokmål und Nynorsk. Ersteres ist das Ergebnis der Norwegisierung des Dänischen (Norwegen stand bis 1814 unter dänischer Verwaltung), zweiteres eine Neuschöpfung aus den alten Dialekten. Das nur nebenbei. Persönlich bekommt man gerade in Oslo aber nur die "Hauptsprache" Bokmål mit.

Eigentlich wollte ich heute noch zum Sport, aber das wird sich wohl auf morgen verschieben. Und: Morgen gehts zum Ikea! ^^ Vorhänge und ne Nachttischlampe kaufen. Immerhin bin ich ja nun schon stolzer Besitzer der Ikea-Family-Card Norwegen und habe damit Anspruch auf kostenlose Getränke. Ach, und der Ikea-Bus holt einen sogar vom Bahnhof ab. Ist das nicht toll?

Ich bin gespannt, was mir dieses Land noch alles bieten wird. Und vor allem, wie weit ich mit meinem Budget kommen werde...

Umsonst ist zum Glück der Wald am See. Am Sonntag habe ich mich einfach mal ohne Karte aufgemacht, um zumindest ein erstes Areal des so unbekannten Waldes zu erkunden. Um viele Flüsschen, Felswege und Richtstege durch den Morast herum konnte ich bis zu zwei Seen vorstoßen. Und ich muß sagen, die Natur ist wirklich wunderschön! Und irgendwie ist sie auch tatsächlich etwas wilder als in Deutschland. Alles ist weitläufiger, nicht so eng besiedelt. Und man scheint den Wanderern auch mehr zuzutrauen.

Und noch eine Erkenntnis: Die Norweger sind nicht nur sehr sportlich (Jogger und Radfahrer überall!) und schlank, sondern sie haben auch wirklich viel mehr Kinder. Norwegen ist ein sehr kinder- und familienfreundliches Land. Und offenbar funktionierts hier auch ohne Diskussionen über die Gene der Unterschichten...

Langsam bricht hier die Dämmerung hinein. Zeit, mich zu verabschieden.

Viele Grüße,

Adrian

31.8.10 19:55, kommentieren

Ein Tag ohne Vorlesung...sollte doch genutzt werden, um einen neuen Eintrag zu verfassen! Ok, das ist etwas übertrieben gesagt, da ich tatsächlich nur Montag, Mittwoch und Freitag Uni habe. Ein Kurs namens Norwegian Life and Society, ein The Norwegian Language Community - A sociolinguistic Laboratory sowie mein Norwegischkurs Lv. 1 sind auch schon alles, ergeben zusammen aber 35 ECTS-Punkte...mehr, als einem Studenten vorgeschlagen wird. Aber ich werde dann ja am Ende sehen, ob das mit einem ungeheuren Lernaufwand verbunden sein wird, oder ob es tatsächlich...einfacher ist, als in Deutschland. Schade nur, daß ich in den Soziologiekurs über skandinavische Familienbilder nicht hineingekommen bin - aber der war voll. Natürlich wäre auch soetwas wie Runology sehr interessant gewesen...aber wohl doch zu speziell für mein Studium. Und wenn der Arbeitsaufwand tatsächlich recht gering ist, kann ich im Frühlingssemester (!) ja derartiges immer noch machen!

Ich muß mich auch dafür entschuldigen, daß es früher mit dem Eintrag nichts geworden war. Aber am Samstag war ich abends auf meinem ersten Konzert hier (Trollfest, eine Trink-Folk Metal-Band), danach sind wir noch ins RockIn, eine Metalkneipe hier in Oslo. Das war alles sehr lustig, leider gabs aber auch einen "Unfall", als ich im RockIn eine Stufe übersehen habe und mit dem Kopf gegen nen Stuhl geknallt bin - Glück im Unglück, es ist nichts weiter Schlimmes passiert. Ich war auch nicht der Einzige, dem das passiert ist!

Aber der Sonntag stand daher eher ein wenig im Zeichen des Schlafens, am Nachmittag habe ich dann mit zwei aus meiner Buddy-Group einen kleinen Spaziergang an den nahegelegenen See und in den Wald unternommen, wo wir Erdnussbutterkekse gegessen haben!  ^^
Leider war ich da wohl etwas zu luftig angezogen und bin daher nun auch immer noch ein wenig erkältet - meine Eltern werden mir in nem Paket auch ACC und sowas mitschicken, weil ich ehrlich gesagt garnicht wissen möchte, was das hier kosten würde...

An dieser Stelle vielleicht mal ein paar Preisbeispiele, wobei man wissen muß, daß 7 Kronen (NOK) ca. 1€ und 100NOK ca. 13€ entsprechen:


Ein Glas Nudelsoße (2 Portionen): 17NOK
Mineralwasser im Supermarkt: 15-20NOK
Vollkornspaghetti: 17NOK
Kaffee am Stand neben dem Unibuchladen: 20NOK
Bier im Supermarkt: 20-30NOK
Bier in der Kneipe: 40-55+NOK
Porto für ne Postkarte nach Deutschland: 13NOK
So ein Caesar Salad beim McDoof mit Wasser: 80NOK*
30inch-Sub mit Getränk und Cookie beim Subway: 105NOK (!)

Einkaufstüte mit 1l Milch, Spaghetti, Soße, mittlerem Philadelphia und Knäckebrot: 113NOK

* Hätte ich ihn mitgenommen, hätte ich nur 78NOK zahlen müssen - Bewirtungssteuer!

Das Monatsticket kostet "nur" 340NOK, was zumindest für Münchner noch irgendwie normal klingt. Immerhin darf man damit dann das gesamte Stadtnetz inklusive Fährverbindungen auf die Inselchen nutzen.

Wenn ihr auch mal vorhabt, nach Norwegen zu fahren, dann macht euch auf diesen Irrsinn gefasst! Angeblich braucht der norwegische Staat soviel Geld, um zu sparen - falls ihm irgendwann mal das Öl ausgeht. Bis dahin lebt man halt in einem Land, das sicherlich einen sehr hohen Lebensstandart hat (auch, wenn das Stadtbild jetzt im Allgemeinen auch nicht viel wohlhabender aussieht, dafür darf man sich an vielen uneinheitlichen Glas- und Betonkästen à la Nordamerika erfreuen - Für einen Stadtarchitekten war wohl kein Geld mehr da), einen recht starken Sozialstaat (wovon man als Austauschstudent aber auch kaum was hat) und sicher eine einmalige Natur hat - aber auch jeder sofort merkt, warum Norwegen das teuerste Land und v.a. Oslo die teuerste Stadt der Welt ist!
Nur, wenns um Gemüse und Obst geht, gibt es einen populären Ort, viel davon recht günstig zu bekommen: Die Gemüseläden im Einwandererviertel Grønland, wo ich echt nen Haufen für 50NOK bekommen habe. Die ethnische Zusammensetzung auf den Straßen ist dabei übrigens wirklich extrem eklatant verschieden vom nahegelegenen Bahnhofsviertel und wandelt sich quasi von einer Straße zur anderen. Aber wie ich es bisher mitbekommen habe, scheint das Zusammenleben recht gut zu funktionieren!

Aber auch, wenn ich außer dem herrlichen See zum Joggen (morgens um 8, wenn der Nebel aufsteigt...und keine Heerscharen unterwegs sind) und einer Insel mit Klosterruine, wo wir "norwegisch" gegrillt haben (HotDogs bzw. Wurst im Lefse, eine Art Pfannkuchen), noch nicht soo viel von der berühmten norwegischen Natur gesehen habe, so sind die ersten Eindrücke doch tatsächlich wunderschön! Oslo ist ja um ein Fjord bzw. eine Bucht herum gebaut und hat auch nur 450 000 Einwohner. Daher geht die ganze Stadt eigentlich ins Grüne über...von meinem Wohnheim sind es ca. 20min zu Fuß zur Uni, an Tankstellen, ner Autobahn und Gewerbegebieten vorbei...in die andere Richtung sind es aber auch nur 20min zum See, hinter dem auch gleich der Wald anfängt. Das gibt es natürlich nicht im dichtbesiedelten Deutschland. Ich möchte auch diesen See noch weiter erkunden und schauen, wohin mich der Wald dahinter führt. Am Samstag gibts auch eine Bustour, wo ich u.a. zum Wikingerschiffmuseum kommen werde und dann wohl auch das einzig erhaltene Wikingerschiff sehen kann! :D

Tja, ein Eintrag allein will und kann wohl nicht alle Aspekte beleuchten, weswegen ich nun am Ende eigentlich nur noch etwas über das Umfeld erzählen möchte, das ich in den ersten Tagen hier so kennengelernt habe. Dem einen oder anderen mögen ja die vielen neuen FB-Kontakte aufgefallen sein!
Wie schon angedeutet, gibt es hier für die Austauschstudenten die Buddy-Groups...einigermaßen nach Fächern aufgeteilt (bei mir also viele Historiker, Archäologen, Konservateure und Linguisten) und (anfangs) aus ca. 20 Leuten bestehend, davon 2 Buddys, also norwegische Studenten in höheren Semestern.
Jeder bekommt solch eine Gruppe zugewiesen und verbringt dann v.a. in der ersten Woche sehr viele Aktivitäten mit ihr. Natürlich ist das freiwillig und einige sieht man nach dem 2. Mal nicht mehr - aber in den Pubtreffen (die Studenten haben eine eigene Kneipe in (!) der Fakultät), dem Grillen auf dem Unirasen (sehr populär!) und vielen Gesprächen kommt man nicht nur mit den Buddys selbst, sondern auch mit vielen anderen Leuten in Kontakt. Und ich kann sagen, dadurch schon sehr viele kennengelernt zu haben, mit denen ich mich echt gut verstehe und bei denen ich hoffe, daß man sich noch weiter sieht! Dabei gehen die Nationen von Deutschland und Österreich über Frankreich, Island (!), England bis nach Kanada, USA und Australien!
Über die und über Partys in den Studentendörfern lernt man dann natürlich wiederum Leute kennen und schnell bildet sich ein Netz! Auch im Bürokratiewirrwar der Uni lernt man immer wieder Leute kennen, und echt viele scheinen aus Deutschland zu sein! Eine neue Invasion? ^^

Ach, und dem Klischee entsprechend rennen hier natürlich tatsächlich auch viele Leute mit Thorhämmern und Bandshirts herum, wobei ich nicht weiß, ob das Austauschstudenten (die, die ich bisher kennengelernt habe, sind fast allesamt aus Deutschland/Österreich ^^) oder Einheimische sind - aber genannte Hämmer sind in der Tat recht verbreitet und auch in der Stadt recht viel anzutreffen. Jedenfalls habe ich da auch schon einige kennengelernt und bin mit ihnen u.a. auf ein Konzert gegangen.

Ein letztes Wort noch zu den Norwegern: Zumindest die Studenten scheinen echt sehr nett zu sein und nutzen v.a. in den ersten Wochen das Bier offenbar recht gerne, um miteinander in Kontakt zu kommen. Das ist wohl etwas anderes in einem Land, wo das Ganze eben doch ein Luxus ist, den man sich nicht jeden Tag leisten kann. Jedenfalls habe ich auch da schon einige kennengelernt.
Und man kommt mit Englisch echt überall zurecht. Es ist wirklich gerade für Deutsche auffällig, wie fließend jeder (!) auf der Straße, geschweige denn in der Uni, Englisch kann. Das wäre in Deutschland unvorstellbar und auch ich selbst merke es immer noch beschämend, daß ich seit der 11. eigentlich so gut wie nie mehr Englisch geredet habe. Aber dafür bin ich ja u.a. auch da. Jedenfalls merkt man aber, wie sehr es die Sprachenkompetenz eines Landes erhöht, wenn ein Großteil der Filme auf Englisch ist, weil es sich nicht lohnt, für ein 4,5 Millionen-Einwohnerland jeden Hollywoodfilm zu synchronisieren. Man wächst mit Englisch auf und ein Großteil der Norweger hat darin eine Kompetenz, gegen die wir Deutsche wirklich nur alt aussehen. Auch, wenn einem als Angehöriger eines so kleinen Volkes vielleicht auch kaum etwas anderes übrigbleibt...

Mit dem Norwegisch fängts bei mir dann morgen auch wieder an! Mit meinen 3 Monaten Kurs im letzten Semester und einigem Nachschlagen bin ich zumindest in der Lage, im Laden ungefähr zu sagen, was ich möchte. Wenn die allerdings dann länger antworten, ist es dafür fast unmöglich, sie zu verstehen! Jeder redet schnell und dann oft noch im eigenen Dialekt. Hoffentlich wird das mit dem 15 ECTS-Punkte-Sprachkurs dann besser...
Am Anfang habe ich das dadurch zu umgehen versucht, daß ich bewusst so langsam geredet habe, daß sie es sofort gemerkt haben, daß ich die Sprache nicht so beherrsche. Da Norweger aber dann auf Englisch antworten, wage ich lieber das Risiko, vielleicht nicht alles zu verstehen!

Tja, nun werde ich aber mal wieder Schluß machen, einen Vanillejoghurt zum Abend essen und mich auf meinen ersten Unitag freuen! Ich hoffe, jedem daheim geht es auch gut.

Danke fürs Lesen!

Bis bald!
Adrian

 

 

 

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