Fra Bayern til Oslo

Mein ERASMUS-Auslandsjahr in Norwegen
 

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Ein Tag ohne Vorlesung...sollte doch genutzt werden, um einen neuen Eintrag zu verfassen! Ok, das ist etwas übertrieben gesagt, da ich tatsächlich nur Montag, Mittwoch und Freitag Uni habe. Ein Kurs namens Norwegian Life and Society, ein The Norwegian Language Community - A sociolinguistic Laboratory sowie mein Norwegischkurs Lv. 1 sind auch schon alles, ergeben zusammen aber 35 ECTS-Punkte...mehr, als einem Studenten vorgeschlagen wird. Aber ich werde dann ja am Ende sehen, ob das mit einem ungeheuren Lernaufwand verbunden sein wird, oder ob es tatsächlich...einfacher ist, als in Deutschland. Schade nur, daß ich in den Soziologiekurs über skandinavische Familienbilder nicht hineingekommen bin - aber der war voll. Natürlich wäre auch soetwas wie Runology sehr interessant gewesen...aber wohl doch zu speziell für mein Studium. Und wenn der Arbeitsaufwand tatsächlich recht gering ist, kann ich im Frühlingssemester (!) ja derartiges immer noch machen!

Ich muß mich auch dafür entschuldigen, daß es früher mit dem Eintrag nichts geworden war. Aber am Samstag war ich abends auf meinem ersten Konzert hier (Trollfest, eine Trink-Folk Metal-Band), danach sind wir noch ins RockIn, eine Metalkneipe hier in Oslo. Das war alles sehr lustig, leider gabs aber auch einen "Unfall", als ich im RockIn eine Stufe übersehen habe und mit dem Kopf gegen nen Stuhl geknallt bin - Glück im Unglück, es ist nichts weiter Schlimmes passiert. Ich war auch nicht der Einzige, dem das passiert ist!

Aber der Sonntag stand daher eher ein wenig im Zeichen des Schlafens, am Nachmittag habe ich dann mit zwei aus meiner Buddy-Group einen kleinen Spaziergang an den nahegelegenen See und in den Wald unternommen, wo wir Erdnussbutterkekse gegessen haben!  ^^
Leider war ich da wohl etwas zu luftig angezogen und bin daher nun auch immer noch ein wenig erkältet - meine Eltern werden mir in nem Paket auch ACC und sowas mitschicken, weil ich ehrlich gesagt garnicht wissen möchte, was das hier kosten würde...

An dieser Stelle vielleicht mal ein paar Preisbeispiele, wobei man wissen muß, daß 7 Kronen (NOK) ca. 1€ und 100NOK ca. 13€ entsprechen:


Ein Glas Nudelsoße (2 Portionen): 17NOK
Mineralwasser im Supermarkt: 15-20NOK
Vollkornspaghetti: 17NOK
Kaffee am Stand neben dem Unibuchladen: 20NOK
Bier im Supermarkt: 20-30NOK
Bier in der Kneipe: 40-55+NOK
Porto für ne Postkarte nach Deutschland: 13NOK
So ein Caesar Salad beim McDoof mit Wasser: 80NOK*
30inch-Sub mit Getränk und Cookie beim Subway: 105NOK (!)

Einkaufstüte mit 1l Milch, Spaghetti, Soße, mittlerem Philadelphia und Knäckebrot: 113NOK

* Hätte ich ihn mitgenommen, hätte ich nur 78NOK zahlen müssen - Bewirtungssteuer!

Das Monatsticket kostet "nur" 340NOK, was zumindest für Münchner noch irgendwie normal klingt. Immerhin darf man damit dann das gesamte Stadtnetz inklusive Fährverbindungen auf die Inselchen nutzen.

Wenn ihr auch mal vorhabt, nach Norwegen zu fahren, dann macht euch auf diesen Irrsinn gefasst! Angeblich braucht der norwegische Staat soviel Geld, um zu sparen - falls ihm irgendwann mal das Öl ausgeht. Bis dahin lebt man halt in einem Land, das sicherlich einen sehr hohen Lebensstandart hat (auch, wenn das Stadtbild jetzt im Allgemeinen auch nicht viel wohlhabender aussieht, dafür darf man sich an vielen uneinheitlichen Glas- und Betonkästen à la Nordamerika erfreuen - Für einen Stadtarchitekten war wohl kein Geld mehr da), einen recht starken Sozialstaat (wovon man als Austauschstudent aber auch kaum was hat) und sicher eine einmalige Natur hat - aber auch jeder sofort merkt, warum Norwegen das teuerste Land und v.a. Oslo die teuerste Stadt der Welt ist!
Nur, wenns um Gemüse und Obst geht, gibt es einen populären Ort, viel davon recht günstig zu bekommen: Die Gemüseläden im Einwandererviertel Grønland, wo ich echt nen Haufen für 50NOK bekommen habe. Die ethnische Zusammensetzung auf den Straßen ist dabei übrigens wirklich extrem eklatant verschieden vom nahegelegenen Bahnhofsviertel und wandelt sich quasi von einer Straße zur anderen. Aber wie ich es bisher mitbekommen habe, scheint das Zusammenleben recht gut zu funktionieren!

Aber auch, wenn ich außer dem herrlichen See zum Joggen (morgens um 8, wenn der Nebel aufsteigt...und keine Heerscharen unterwegs sind) und einer Insel mit Klosterruine, wo wir "norwegisch" gegrillt haben (HotDogs bzw. Wurst im Lefse, eine Art Pfannkuchen), noch nicht soo viel von der berühmten norwegischen Natur gesehen habe, so sind die ersten Eindrücke doch tatsächlich wunderschön! Oslo ist ja um ein Fjord bzw. eine Bucht herum gebaut und hat auch nur 450 000 Einwohner. Daher geht die ganze Stadt eigentlich ins Grüne über...von meinem Wohnheim sind es ca. 20min zu Fuß zur Uni, an Tankstellen, ner Autobahn und Gewerbegebieten vorbei...in die andere Richtung sind es aber auch nur 20min zum See, hinter dem auch gleich der Wald anfängt. Das gibt es natürlich nicht im dichtbesiedelten Deutschland. Ich möchte auch diesen See noch weiter erkunden und schauen, wohin mich der Wald dahinter führt. Am Samstag gibts auch eine Bustour, wo ich u.a. zum Wikingerschiffmuseum kommen werde und dann wohl auch das einzig erhaltene Wikingerschiff sehen kann! :D

Tja, ein Eintrag allein will und kann wohl nicht alle Aspekte beleuchten, weswegen ich nun am Ende eigentlich nur noch etwas über das Umfeld erzählen möchte, das ich in den ersten Tagen hier so kennengelernt habe. Dem einen oder anderen mögen ja die vielen neuen FB-Kontakte aufgefallen sein!
Wie schon angedeutet, gibt es hier für die Austauschstudenten die Buddy-Groups...einigermaßen nach Fächern aufgeteilt (bei mir also viele Historiker, Archäologen, Konservateure und Linguisten) und (anfangs) aus ca. 20 Leuten bestehend, davon 2 Buddys, also norwegische Studenten in höheren Semestern.
Jeder bekommt solch eine Gruppe zugewiesen und verbringt dann v.a. in der ersten Woche sehr viele Aktivitäten mit ihr. Natürlich ist das freiwillig und einige sieht man nach dem 2. Mal nicht mehr - aber in den Pubtreffen (die Studenten haben eine eigene Kneipe in (!) der Fakultät), dem Grillen auf dem Unirasen (sehr populär!) und vielen Gesprächen kommt man nicht nur mit den Buddys selbst, sondern auch mit vielen anderen Leuten in Kontakt. Und ich kann sagen, dadurch schon sehr viele kennengelernt zu haben, mit denen ich mich echt gut verstehe und bei denen ich hoffe, daß man sich noch weiter sieht! Dabei gehen die Nationen von Deutschland und Österreich über Frankreich, Island (!), England bis nach Kanada, USA und Australien!
Über die und über Partys in den Studentendörfern lernt man dann natürlich wiederum Leute kennen und schnell bildet sich ein Netz! Auch im Bürokratiewirrwar der Uni lernt man immer wieder Leute kennen, und echt viele scheinen aus Deutschland zu sein! Eine neue Invasion? ^^

Ach, und dem Klischee entsprechend rennen hier natürlich tatsächlich auch viele Leute mit Thorhämmern und Bandshirts herum, wobei ich nicht weiß, ob das Austauschstudenten (die, die ich bisher kennengelernt habe, sind fast allesamt aus Deutschland/Österreich ^^) oder Einheimische sind - aber genannte Hämmer sind in der Tat recht verbreitet und auch in der Stadt recht viel anzutreffen. Jedenfalls habe ich da auch schon einige kennengelernt und bin mit ihnen u.a. auf ein Konzert gegangen.

Ein letztes Wort noch zu den Norwegern: Zumindest die Studenten scheinen echt sehr nett zu sein und nutzen v.a. in den ersten Wochen das Bier offenbar recht gerne, um miteinander in Kontakt zu kommen. Das ist wohl etwas anderes in einem Land, wo das Ganze eben doch ein Luxus ist, den man sich nicht jeden Tag leisten kann. Jedenfalls habe ich auch da schon einige kennengelernt.
Und man kommt mit Englisch echt überall zurecht. Es ist wirklich gerade für Deutsche auffällig, wie fließend jeder (!) auf der Straße, geschweige denn in der Uni, Englisch kann. Das wäre in Deutschland unvorstellbar und auch ich selbst merke es immer noch beschämend, daß ich seit der 11. eigentlich so gut wie nie mehr Englisch geredet habe. Aber dafür bin ich ja u.a. auch da. Jedenfalls merkt man aber, wie sehr es die Sprachenkompetenz eines Landes erhöht, wenn ein Großteil der Filme auf Englisch ist, weil es sich nicht lohnt, für ein 4,5 Millionen-Einwohnerland jeden Hollywoodfilm zu synchronisieren. Man wächst mit Englisch auf und ein Großteil der Norweger hat darin eine Kompetenz, gegen die wir Deutsche wirklich nur alt aussehen. Auch, wenn einem als Angehöriger eines so kleinen Volkes vielleicht auch kaum etwas anderes übrigbleibt...

Mit dem Norwegisch fängts bei mir dann morgen auch wieder an! Mit meinen 3 Monaten Kurs im letzten Semester und einigem Nachschlagen bin ich zumindest in der Lage, im Laden ungefähr zu sagen, was ich möchte. Wenn die allerdings dann länger antworten, ist es dafür fast unmöglich, sie zu verstehen! Jeder redet schnell und dann oft noch im eigenen Dialekt. Hoffentlich wird das mit dem 15 ECTS-Punkte-Sprachkurs dann besser...
Am Anfang habe ich das dadurch zu umgehen versucht, daß ich bewusst so langsam geredet habe, daß sie es sofort gemerkt haben, daß ich die Sprache nicht so beherrsche. Da Norweger aber dann auf Englisch antworten, wage ich lieber das Risiko, vielleicht nicht alles zu verstehen!

Tja, nun werde ich aber mal wieder Schluß machen, einen Vanillejoghurt zum Abend essen und mich auf meinen ersten Unitag freuen! Ich hoffe, jedem daheim geht es auch gut.

Danke fürs Lesen!

Bis bald!
Adrian

 

 

 

24.8.10 17:29

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