Fra Bayern til Oslo

Mein ERASMUS-Auslandsjahr in Norwegen
 

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Tromsø - Raus aus Oslo!

Ich grüße Euch!

 
Ist es zu glauben, daß einen das Studentenleben völlig in einer fremden Stadt (also nicht wie daheim) dazu bringt, daß diese wie ein unsichtbares Gefängnis wird, das man unbewusst kein einziges Mal verlässt? Geht das den Studenten in München, die nicht in der Nähe daheim wohnen, genauso?
So ist es nun nach fast drei Monaten tatsächlich das erste Mal gewesen, daß ich Oslo selbst verlassen habe und neben meiner Umgebung (natürlich samt Natur) und diverser Stadtteile tatsächlich auch einmal etwas anderes von Norwegen erblickt habe!

Dazu muß ich sagen, daß von letztem Mittwoch bis gestern zum zweiten und letzten Mal (Hinweis I) Bettina dagewesen ist.
Am Donnerstag haben wir den Oslo-Reiseplaner berücksichtigt und haben einen kleinen Tagesausflug nach Drøbak, einem kleinen Städtchen (wie man ein 11.000EW-Dorf in Norwegen schon nennen muß weiter südlich an der engsten Stelle des Oslofjords, unternommen. Geschichtlich bekannt ist der Ort, weil hier beim deutschen Angriff auf Norwegen im April 1940 mehr durch viele "glückliche" (je nach Betrachtungsweise) Zufälle der deutsche Schwere Kreuzer Blücher von völlig veralteten Kanonen deutscher Produktion aus der Festung versenkt worden ist, wodurch der Flucht der Königsfamilie und des Parlaments ermöglicht wurde.
Ein wenig haben wir daran gedacht, als wir an einer Felsklippe die Ruhe und die Beschaulichkeit dieses Örtchens genießen konnten und dem Vorbeifahren eines schweren Ozeandampfers zuschauen konnten. An den Kreuzer erinnert der geborgene Dampfer, welcher neben der Statue des ruhmreichen Festungsoffiziers steht...
Leider waren wir zu spät dran, um noch auf die Festungsinsel fahren zu können. Dafür haben wir die Poststation des Weihnachtsmannes gesehen, samt ihm selbst! Er sah aus wie Dumbledore! ^^
Jedenfalls war es sehr schön, auch mal etwas anderes als immer nur Oslo zu sehen und in etwas beschaulicheres Umfeld zu kommen.


Der eigentliche Höhepunkt war aber der Ausflug mit ein paar Freundinnen und Bettina von Freitag bis Montag nach Tromsø, einer 450.000 EW-Stadt nördlich des Polarkreises. Kaum zu glauben, daß uns der Flug ca. doppelt so weit von Zuhause weggebracht hat!
Dieses Städtchen ist dann auch eher so, wie sich der klischeebasierte Mitteleuropäer den "hohen Norden" vorstellt. In der Natur meterhoher Schnee, -5°C und ein Tag, bei dem es um 15 Uhr dunkel wird. Also quasi Nacht, sobald man aus dem ersten Museum wieder herausgekommen ist. Ich bin ja sehr im Zweifel, ob ich in Deutschland den ganzen Winter über (Hinweis II) jemals so viel Schnee sehen werde, wie an diesem Wochenende...

Was haben wir so gemacht? Kriegsmarinefriedhof II hat im Winterhalbjahr leider auch geschlossen; nahe der Stadt wurde auch das größte deutsche Schlachtschiff überhaupt, die Tirpitz, versenkt.
Am Freitag haben wir uns nach der Ankunft vor allem am erwarteten Winterwetter erfreut und sind mit der Seilbahn auf eine Aussichtsplattform über der Stadt gefahren, wo es dann um 15.00 Uhr auch wie erwartet wieder dunkel geworden ist. Aber der Blick auf die Stadt und die schneebedeckten Hügel auf der anderen Seite waren wieder einmal atemberaubend und einer der viele Gründe, warum ich es dort schöner als in Oslo finde.
Abends waren wir dann bei Peppes Pizza, dem norwegischen Äquivalent zu Pizza Hut. Da habe ich mich auch ein wenig erkältet gefühlt, weswegen wir danach schnell ins Bett sind...

Am Samstag waren wir im Polaria, einem Dokumentationsort polarer Lebewesen, von Bakterien bishin zu Seelöwen, die dort auch in einem Becken herumgeschwommen sind und denen wir bei der Fütterung zusehen konnten! Es hat zwar überall nach Fisch gerochen, aber dafür konnte man Tiere sehen, die es daheim wohl nur selten zu erblicken gibt. Und ich hatte auch das Gefühl, daß es den Tieren dort sehr gut geht. Naturromantik hin oder her - die meisten Tiere würden eine regelmäßige Fütterung und wenig Angst vor Freßfeinden wohl der "natürlichen Ordnung" vorziehen. Solange die artgerechte Haltung natürlich gewährleistet ist...
Am "Abend", also tiefster Nacht um halb 5, ging es dann los zum Höhepunkt des Ausfluges: Zu viert (also meine Freundin, ich und zwei weitere) haben wir uns den Luxus gegönnt, für 200€ pro Person ein einmaliges Erlebnis zu haben, das man daheim wohl niemals machen könnte: Nach mehr als einer Stunde Fahrt waren wir im Wald, recht nahe der finnischen Grenze und wurden dort von sehr lautem Hundegebell begrüßt: Wir wollten eine Hundeschlittentour machen! Je zwei Personen bekamen einen Schlitten zugeteilt, der von fünf Hunden (nicht gerade Edelrassenhuskys, dafür müssen sich die Betreiber um Nachwuchs aber offenbar auch keine Sorgen machen) gezogen wird. Einer (in dem Fall meine Freundin) sitzt drin, einer steht hinten und lenkt den Schlitten.
Allerdings war das nicht ganz so schwer, wie man es sich vielleicht vorstellen mag. Mit einer größeren Gruppe sind wir eine feste Strecke (mehrere Kilometer) bergauf, bergab, durch meterdicken Schnee und über Flüsse, abgefahren. Selbst musste man eigentlich kaum mehr tun, als durch Bremsen die Hunde davon abhalten, weiterzulaufen. Was sie von sich aus durchgehend gemacht hätten und Standpausen durch lautes Jaulen und Heulen ihre Missbilligung ausgesprochen haben...
Es ist schwer zu beschreiben, was für ein Erlebnis diese Fahrt in der Winternacht und umgeben von Wald und freien Ebenen nun gewesen ist. Am Ende winkte dann die Belohnung in Form einer heißen Rentiersuppe und... Nordlichtern am Himmel, ein Phänomen, das es wie die Mitternachtssonne nur in den Nordregionen gibt! Leider sind sie im November noch nicht sonderlich stark, aber doch immerhin sichtbar! Völlig übermüdet gings dann wieder heim...

Am Sonntag waren wir noch im Universitätsmuseum, wo es gleich mehrere Ausstellungen, über Darwin, Küchenschaben, Mineralschichten, russische Kriegsgefangene, vor allem aber über die Sami gegeben hat. Man darf nicht vergessen, daß in den Polarregionen nationsübergreifend die eigene Ethnie der Sami lebt, die sich zumindest traditionell von Rentierzucht und Jagd ernähren und in Zelten leben. Quasi die "Ureinwohner" des Nordens.
Dann sind wir über die lange und windige Brücke, welche die Stadtteile trennt, zu der berühmten Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen) gelangt. Die hat dann jeden 30NOK gekostet, was im Nachhinein eine ziemliche Unverschämtheit gewesen ist, dafür, daß man mit 10Sek Umschauen eigentlich schon alles gesehen hat. Aber zumindest von außen schaut sie beeindruckend aus!

Am Abend gabs dann noch etwas Bier im gemütlichen Hotel samt Kartenspielen - wir werden langsam echt norwegisch!

Am Montag ging dann auch schon wieder der Flug. Eigentlich wollten wir noch ins Polarmuseum, was dann aber zeitlich doch nichts mehr geworden ist. Stattdessen bin ich mit Bettina mittags noch in die Ølhallen, Tromsøs ältestes Pub und der nördlichsten Brauerei der Welt (!), der Mack-Brauerei, angeschlossen. Da habe ich mich noch an leckeren Biersorten versucht. Und ich kann bestätigen: Wer dort nicht gewesen ist, hat Tromsø nicht gesehen! ;-)

Dann ging der Flug mehr als tausend km wieder zurück.

Ich glaube, das ist wieder so eine Sache, bei der Fotos wohl mehr sagen können als viele Worte. Jedenfalls werde ich bei FB bald ein paar Fotos hineinstellen, die das kleine Städtchen umrundet von sehr hohen, schneebedeckten Felsen und aufgeteilt von der eisigen See, zeigen. Und auch Drøbak und was wir sonst noch so gemacht haben. FB ist wohl doch wichtiger, als ich zunächst gedacht hatte. Es ist fast so etwas wie mein Hauptkommunikationsinstrument geworden...

Gestern ist dann auch Bettina wieder heimgeflogen. Nun verbringe ich hier die letzten Wochen und darf dann am Ende auch noch zwei Klausuren schreiben, obwohl die mir für mein eigentliches Studium nichts bringen.

Und nun würde ich eigentlich zum zweiten Teil des Eintrags kommen. Aber da es schon spät ist, niemand 40min hier lesen will und ich nun hungrig auf First Price tunfisk i vann (Dosenthunfisch, mein Standartabendessen) bin, werde ich das auf einen anderen Tag verschieben.

Übrigens schneit es hier seit gestern auch - da habt Ihr endlich Euer Klischeebild von Norwegen! ;-)

Bis bald!
Adrian



10.11.10 22:58

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